Mit Vollkosten statt Bauchgefühl rechnen
Beginnen Sie nicht beim Preis des Nachbarstalls, sondern bei Ihren eigenen Kosten. Zur Vollkostenrechnung gehören alle Aufwendungen, die der Betrieb tragen muss — auch dann, wenn sie nicht jeden Monat als einzelne Rechnung auftauchen. Belastbare Zahlen dafür liefert eine Stallverwaltungs-Software, die Verbräuche und Arbeitszeiten mitschreibt.
Direkte Kosten pro Pferd erfassen
- Raufutter, Kraft- und Mineralfutter
- Einstreu, Mistentsorgung, Wasser und Energie
- Weide- und Flächenpflege
- Verbrauchsmaterial für Stall und Anlage
Arbeitszeit vollständig bewerten
Füttern und Misten sind nur der sichtbare Teil. Rechnen Sie auch Koppelwechsel, Anlagenpflege, Bestellungen, Abrechnung, Gespräche mit Einstellern, Notfälle und Vertretungsorganisation ein. Multiplizieren Sie die Monatsstunden mit einem realistischen Arbeitgeber-Stundensatz.
Gemeinkosten und Rücklagen verteilen
- Pacht, Finanzierung und Abschreibung
- Versicherungen, Beiträge und Verwaltung
- Instandhaltung von Stall, Zäunen, Maschinen und Reitflächen
- Rücklagen für größere Reparaturen und Ersatzbeschaffungen
Beispielrechnung für eine Box
Angenommen, direkte Kosten liegen bei 185 Euro, anteilige Arbeit bei 210 Euro und Gemeinkosten samt Rücklage bei 125 Euro. Die Selbstkosten betragen damit 520 Euro pro belegter Box. Eine unternehmerische Marge von 10 Prozent führt zu einem Netto-Zielpreis von 572 Euro. Umsatzsteuer und individuelle Zusatzleistungen sind anschließend passend zur steuerlichen Einordnung zu ergänzen.
Was kostet eine Box wirklich?
Tragen Sie Ihre eigenen Werte ein — der Rechner zeigt Selbstkosten und einen tragfähigen Pensionspreis inklusive Marge.
Inkl. Sozialabgaben und eigenem Lohnanspruch.
Davon sind 437,00 € netto. Dieser Preis deckt Ihre Kosten und lässt Ihnen eine Marge von 15% für Investitionen und Risiko.
Selbstkosten
380,00 €
Personal / Box
180,00 €
Futter & Einstreu
120,00 €
Hinweis: Dies ist eine vereinfachte Kalkulation. Berücksichtigen Sie auch Leerstand (ca. 5–10 %) und die Abschreibung von Maschinen und Anlagen.
Leerstand realistisch einplanen
Teilen Sie Fixkosten nicht durch die maximale Platzzahl, sondern durch die nachhaltig erwartete Belegung. Bei 30 Plätzen und 90 Prozent Auslastung tragen rechnerisch 27 belegte Plätze die Kosten. Sonst fehlt bei jedem Wechsel Geld in der Kalkulation.
Warum die meisten Ställe zu günstig sind
Oft wird der eigene Lohnanspruch vergessen. „Ich wohne ja eh hier“ oder „Das mache ich nebenher“ führt dazu, dass der Betrieb zwar die Rechnungen zahlt, aber keine Rücklagen für neue Zäune, Hallenböden oder den nächsten Traktor bildet.
Futterpreise und Energiekosten schwanken. Eine Marge von unter 10 % ist riskant.
Nur wer Gewinn macht, kann den Stall modernisieren und für Einsteller attraktiv bleiben.
